Was denkst du?

by Constanze Bohg
water flowing into the hands of a person

Am Sonntag Nachmittag entdeckten wir im Keller Wasser. Jede Menge Wasser! Der Warmwasserboiler hatte den Geist aufgegeben. Zweihundert Liter Wasser waren im Laufe eines Tages aus dem alten Ding ausgelaufen. Das bedeutete dann natürlich auch: Kein warmes Wasser mehr für uns! Just an diesem Sonntag war ich abends im Gebetshaus eingeplant als Beter und Mitstreiter. Da sollte man dann vielleicht lieber nicht genervt und missmutig erscheinen, oder?

Ich stand in der Küche und wusste, ich musste eine Entscheidung treffen. Zwei Erwachsene und zwei Kinder ohne warmes Wasser ist nicht so cool. Aber es ist auch keine Katastrophe. Ja, es ist unbequem und erschwert den Alltag, besonders bei den winterlichen Temperaturen. Aber es gibt einen Wasserkocher im Haus.

In dem Moment, in dem mein Mann aus dem Keller hoch rief “Wasser! Hier ist überall Wasser!”, war ich gerade am beten für ein kleines Mädchen. Josie. Sie hat einen schlimmen Herzfehler und kämpft um ihr Leben. Sie braucht dringend ein Wunder. Ganz ehrlich: In diesem Moment fiel es mir sehr leicht mich zu entscheiden. Meine Situation war ein Witz verglichen mit der Tragödie und dem Kampf, den diese Familie kämpft.

So weit, so gut.

Genug gemeckert!

Am Montag sprachen wir mit unserem Vermieter und er war nicht sicher, ob er eine Ersatzlieferung bis Mittwoch haben würde. Das bedeutete für uns, dass wir erst am Donnerstag wieder Warmwasser haben würden, weil der Boiler über Nacht heizt. Ich rief eine Freundin an und fragte, ob ich am Dienstag zum duschen kommen könnte. Dann passierten im Laufe des Tages hier und da noch andere Sachen. Ich begann, meinen Fokus zu verlieren. Hier ein bisschen gemotzt, da ein bisschen gemeckert, dort ein bisschen geärgert.

Mir wurde klar, dass es nicht ausreichen würde, ein Mal morgens “Dankbarkeit” zu wählen. Es mochte vielleicht an anderen Tagen so sein, aber an diesem Montag brauchte es für mich mehr als das. Ich musste ganz bewusst mein Gedankenleben wieder in den Griff kriegen, und zwar schnell. Wusstest du, dass eine kleine Abweichung vom Kurs eine große Zielverfehlung nach sich zieht? Stell dir vor, du machst eine Reise und bist mit dem Kompass unterwegs (tun wir einfach mal so): Wenn du auch nur ein Grad von der Route abweichst, hast du nach 30 cm Strecke schon eine Zielverfehlung von 0,5 cm. Das klingt nach nix, oder? Aber rechnen wir mal weiter:

  • Nach 100 Metern sind das schon 1,58 Meter Zielverfehlung.
  • Nach 1,6 km sind wir bei 28 Meter. Langsam macht es sich bemerkbar, dieses eine Grad.
  • Und so geht das immer weiter (Details findest du hier auf englisch).
  • Würdest du am Ende mit einer Rakete zum Mond fliegen wollen, wurde dich die klitzekleine Abweichung von nur einem Grad ganze 6.709 Kilometer am Ziel vorbeischießen lassen.

Unterm Strich bedeutet dieses Rechenspiel: Eine kleine Abweichung vom Kurs macht sehr wohl am Ende einen großen Unterschied.

Frühjahrsputz im Kopf

Und ich bin der Meinung, es ist exakt das gleiche mit unseren Gedanken. Deine Gedanken sind der Ursprung aller Handlungen – das ist ja nichts neues. Aber verbunden mit deinem Gedankenleben ist auch deine Grundhaltung. Und wie ich da so in der Wohnung stand und hörte, wie auch meine Kinder anfingen zu motzen und zu meckern, wusste ich, es war an der Zeit. Wir brauchten alle eine Runde “Müll rausbringen” im Kopf.

“Es sind nicht deine Fähigkeiten, die deine Flughöhe bestimmen. Es ist deine Einstellung.”

Zig Ziglar

Wir sind in unserer Familie sehr darum bemüht, in allem dankbar zu sein und eine positive Grundhaltung zu haben. Wir suchen und finden Gründe, dankbar zu sein, auch wenn mal etwas schief geht. An diesem bestimmten Montag wusste ich (mal wieder), dass meine zunehmend schlechter werdende Laune den Rest der Familie mit runter zog. Uncool.

Der Gebetsabend am Sonntag war so stark gewesen. Einmal mehr hatte ich begriffen, was es wirklich bedeutet, dass die Freude am Herrn unsere Stärke ist. Ich kenne diese Bibelstelle seit meiner Kindheit. So richtig erfahren hatte ich bisher nie, was sie wirklich ausmacht. In dieser Freude tatsächlich zu leben beginnt meines Erachtens mit einer Entscheidung. Wähle ich Dankbarkeit oder wähle ich Nörgeln und konzentriere mich auf das, was schief läuft? Stimme ich mit der Bibel überein, egal wie meine Lebensumstände gerade aussehen oder lasse ich mich von meinen Gefühlen leiten?

Adler oder Ente?

Also hielt ich inne. Ich bat Gott um Vergebung fürs wiederholte Meckern, legte ihm mein Herz hin. Und dann nahm ich mir die Bibelstelle zur Hand aus Jesaja 40:31. Ich wollte eine gute Flughöhe, jawohl! Ich wollte mich aufschwingen wie der Adler.

Ein paar Stunden später klingelte es an der Haustür. Es war der Vermieter aber es hätte genauso gut ein Engel sein können! Er teilte uns in seiner nüchtern-schwäbischen Art ganz entspannt mit, dass es ihm gelungen war, einen Hersteller zu finden, der bereits am kommenden Tag einen neuen Wasserboiler liefern würde. Es fehlte nicht viel und ich hätte diesen Mann umarmt!

Am späten Abend des Dienstags hatten wir wieder genug warmes Wasser für eine erste Dusche.

Dankbar in allen Dingen

Klar, so ein bisschen Unbequemlichkeit und kaltes Wasser sind ein Witz verglichen mit den Tragödien, die sich tagtäglich im Leben anderer abspielen. Und trotzdem! Jeder von uns erlebt jeden Tag viele kleine Unbequemlichkeiten und Ärgernisse und wenn wir nicht aufpassen, sammelt sich da ganz schön viel an. Und dann ist es wie mit diesem einen Grad – wir verfehlen unser Ziel. Was ist unser Ziel? Mehr und mehr zu werden wie Jesus. Licht und Salz zu sein und die Menschen zu lieben. Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber mir fällt es definitiv schwer, freundlich und liebevoll zu sein, wenn ich mein Zelt im Mecker- und Nörgellager aufgeschlagen habe. 

Und deshalb fordere ich dich heute heraus: Mach mal wieder sauber! Und ich meine nicht deine Regale und die Küche. Mir geht es um das, was sich in deinem Kopf abspielt. Nimm dir bewusst eine kleine Auszeit und überlege, was du denkst und zu dir selbst im inneren sprichst. Und dann wirf alles das raus, was pures Gift ist für dein Herz. Mir gefällt, wie es Joyce Meyer beschreibt:

“Ich will es uns einmal vor Augen halten: Die Menschen, die kein Dach über dem Kopf haben, hätten gerne ein Haus, das sie sauber machen müssten. Doch wie oft beschweren sich Hausbesitzer über die viele Arbeit, die im Haus anfällt. Ein Mensch, der kein Auto hat, träumt davon, einen Wagen zu besitzen. Doch wie viele Autobesitzer beschweren sich über laufende Instandhaltungskosten und unerwartete Reparaturen.

Man vergisst leicht, wie gut es einem geht! Dankbar zu sein ist daher eine wichtige Entscheidung, die wir immer wieder neu treffen müssen.”

Joyce Meyer

Also: Entscheide dich heute bewusst für die Freude. Wähle Dankbarkeit! Das mag nicht einfach sein, es wird sich vielleicht sogar einiges oder alles in dir dagegen sträuben. Aber mach es trotzdem und sei nicht verwundert, wenn du beginnst, wie der Adler höher und höher zu steigen mit neuer Kraft.

Sei ganz sehr gesegnet heute,

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